Allgemeine InformationenMediation ist ein Verfahren zur außergerichtlichen Klärung von Konflikten und deren Hintergründen, bei der eine neutrale Vermittlungsperson die Parteien bei der Entwicklung einer eigenen Lösung unterstützt. Statt eines einseitigen Sieges oder eines faulen Kompromisses liegt das Ziel der Mediation im beidseitigen Gewinn (Win-Win Lösung)
Indikationen:Mein Angebot richtet sich an
Privatpersonen, die einen
Paar-, Familien-, Erbschafts-, Arbeitsplatz-, Miet-
oder
sonstigen Konflikt
außerhalb des Rechtsweges ursächlich und nachhaltig klären möchten. Voraussetzung ist allerdings, dass sich alle Parteien freiwillig auf das Verfahren einlassen.
Die Rolle des Mediators:Die Aufgabe der Mediatorin besteht darin, den Prozess zu leiten und einen Raum zu schaffen, in dem sich beide Parteien wohl fühlen und öffnen können. Dabei ist neben der
Verschwiegenheit
des Mediators gegenüber Dritten auch eine besondere Haltung gegenüber den Medianten zu gewährleisten, die sich aus verschiedenen Aspekten zusammensetzt. Eine
bedingungslose Wertschätzung
beider Parteien sowie
absolute Neutralität
soll gewährleisten, dass diese über alles sprechen können, was sie bewegt. Ein wichtiges Element der Mediation ist die „
Übersetzung“ des Gesagten in eine andere, für die andere Partei besser zugängliche und vor allem friedlichere Sprache. Um diese „
Übersetzung“ erfolgreich zu gestalten, ist neben dem sprachlichen Verständnis vor allem auch das einfühlende Verstehen (
Empathie) notwendig. Für den Mediator gibt es nicht die eine objektive Wahrheiten, sondern immer mehrere subjektive Realitäten. Schlussendlich müssen Wertschätzung und Empathie auch echt sein (
Echtheit oder Kongruenz), um Vertrauen zu schaffen und den Parteien zu ermöglichen, selber ebenfalls offen und ehrlich kommunizieren zu können.
Phasen der Mediation:Vorphase - Kontaktaufnahme:
Vor dem ersten Termin findet in der Regel ein
Telefongespräch
statt um erste Informationen zum Konflikt zu erfragen und so zu entscheiden, ob dieser sich für eine Mediation eignet. Im Anschluss kann dann geklärt werden,
wer an der Mediation beteiligt sein soll
und mit welchem
zeitlichen
und somit auch
finanziellen Gesamtaufwand
zu rechnen ist (in der Regel 1-10 Sitzungen) und wie die Kosten geteilt werden. Falls noch nicht geschehen übernehme ich gerne auch die Kontaktaufnahme mit der Gegenpartei um deren Mediationswunsch zu erfragen. Außerdem können in diesem Gespräch selbstverständlich auch erste
offene Fragen
besprochen werden. Wenn sich beide Parteien für eine Mediation entscheiden wird im Anschluss ein
gemeinsamer Termin vereinbart.
Phase 1 - Einleitung:
Im ersten Gespräch werden zunächst alle noch offenen Fragen zum Verfahren, den Kosten
und dem weiteren Vorgehen
besprochen. Außerdem besprechen wir die Regeln
für das Mediationsgespräch, die dazu dienen beide Parteien vor Angriffen zu schützen und somit eine (weitere) Eskalation zu verhindern.
- Wir schalten alle Störfaktoren aus (z.B. Handy)Wir lassen uns gegenseitig ausreden!
- Wir verzichten auf verbale und non-verbale Angriffe!
- Wir nutzen eine bedürfnisorientierte, gewaltfreie Kommunikation
- Wir verzichten auf unfaire Kommunikationsmittel
- Verschwiegenheit aller Parteien inklusive der Mediatorin
Selbstverständlich erkläre ich Ihnen auch, wie die gewaltfreie Kommunikation umgesetzt werden kann und was man unter unfairen Kommunikationsmitteln versteht. Anschließend werden die
Regeln
dann
von beiden Parteien unterschrieben
und ich unterstütze sie während des gesamten Prozesses bei deren Umsetzung und Einhaltung.
Phase 2 - Problemerfassung:
Am Anfang bekommen beide Seiten nacheinander die Möglichkeit, Ihre
Sicht auf den Konflikt und das Problem zu schildern
und anschließend auf das, was der Andere gesagt hat einzugehen. Meine Aufgabe in dieser Phase ist es dafür zu sorgen, dass beide Parteien ausreichend Redezeit bekommen. Ich fasse außerdem das Gesagte zusammen und stelle Fragen, die dem Prozess dienlich sein können. Ziel dieser Phase ist es die
unterschiedlichen Aspekte des Konflikts von verschiedenen Seiten zu beleuchten
und heraus zu arbeiten.
Phase 3 – Konflikterhellung:Betrachtet man einen Eisberg fällt dabei auf, dass von diesem nur 10-20% aus dem Wasser hinausragen. Die restlichen 80-90%, die den Eisberg weitestgehend ausmachen, befinden sich hingegen unter der Wasseroberfläche. Ähnlich ist das auch bei Konflikten. Das was wir auf den ersten Blick sehen, ist nur ein kleiner Teil des Konflikts (meistens die Sachinhalte), während die wahren Ursachen in Form frustrierter Bedürfnisse und verletzter Gefühle meist im Verborgenen bleibt. Um den Streit nachhaltig und ursächlich klären zu können, müssen diese unbewussten und
für den Konflikt ursächlichen Aspekte herausgearbeitet und durch den Mediator verbalisiert werden.
Die Konflikterhellung ist die zeitaufwändigste, aber auch die wichtigste und lehrreichste Phase der Mediation und notwendige Voraussetzung für die Erarbeitung ursächlicher und nachhaltiger Lösungsstrategien.
Phase 4- Lösungsfindung:
Das Verfahren der Mediation basiert auf der Grundannahme, dass die idealste Lösung für einen Konflikt nur von den Parteien selber gefunden werden kann. Statt eine Lösung vorzugeben, die bestenfalls einen akzeptablen Kompromiss darstellen kann, unterstütze ich die Parteien bei der Suche nach eigenen Lösungsansätzen, die eine WIN-WIN Situation ermöglichen sollen. Zu diesem Zweck werden zunächst unterschiedliche
Ideen locker gesammelt
und im Anschluss deren
Umsetzbarkeit
näher
diskutiert, bis eine für beide Seiten befriedigende Lösung gefunden ist.
Phase 5 - Mediationsvereinbarung:Am Ende werden die erarbeiteten Vereinbarungen schriftlich fixiert. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich beide Parteien zu deren freiwilliger Einhaltung, eine Rechtspflicht besteht jedoch nicht.
Konflikte:
Unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft haben alle Menschen die gleichen Bedürfnisse. Diese können nach Maslow in Fünf Kategorien eingeteilt werden:
- Physiologischen Grundbedürfnisse: Atmung, Wasser, Nahrung, Schlaf, Fortpflanzung
- Sicherheitsbedürfnis: Körperliche und seelische Sicherheit, materielle Grundsicherung, Gesundheit, Verlässlichkeit, Ordnung
- Soziale Bedürfnisse: Freundschaft, Familie, Gruppenzugehörigkeit, Gemeinschaft, Kommunikation, Kontakt, Verständnis, Unterstützung, Harmonie, Sexualität, Gerechtigkeit, Zuneigung und Liebe
- Individualbedürfnisse: Anerkennung, Wertschätzung, Respekt, Akzeptanz, Ansehen, Stärke, Dominanz, Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstachtung, Spaß, Alleinsein, Ruhe, Erholung, Rhythmus
- Selbstverwirklichung: Entwicklung, Entfaltung, Lernen, Sinnerfüllung, Spiritualität, Ethik, Moral, Kreativität und Abenteuer
Aus der Erfüllung dieser Bedürfnisse entstehen dann Gefühle wie
Glück, Freude, Entspannung
oder
Zufriedenheit. Werden die Bedürfnisse hingegen nicht erfüllt (=frustriert), empfinden wir negative Emotionen wie z.B.
Angst, Wut, Trauer, Hilflosigkeit
oder
Einsamkeit. So kommt es, dass die oben genannten Bedürfnisse zwar bei jedem Menschen vorhanden, aber bei allen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Mit jeder unserer Handlungen verfolgen wir das Ziel, mindestens eines unserer Bedürfnisse zu befriedigen, wobei unsere Gefühle dabei als Antrieb dienen.
Konfliktentstehung:Konfliktpotential liegt in Situationen mit zwei oder mehrere Menschen oder Gruppen, in der sich mindestens ein Bedürfnis einer Partei
(scheinbar)
nicht mit mindestens einem Bedürfnis einer anderen Partei in einer Handlung vereinbaren lässt.
Insbesondere dann, wenn das frustrierte Bedürfnis uns besonders wichtig ist und/oder ein oder mehrere Bedürfnisse im Kontakt zwischen zwei oder mehreren Menschen immer wieder frustriert werden, resultieren daraus
negative Emotionen,
die dann
unbewusst oft
auf die Gegenpartei übertragen
und so mit ihr in Verbindung gebracht
werden. In der Folge wird diese als bedrohlich erlebt. Wenn es den Beteiligten gelingt, dieses Gefühl zu nutzen um die eigenen Bedürfnisse zu ergründen und zu kommunizieren, kann eine gemeinsame Strategie entwickelt werden, die beiden Seiten gerecht wird. Konstruktive geführte und gelöste Konflikte können das Gemeinschaftsgefühl stärken, uns unsere eigenen Bedürfnisse bewusst machen und ermöglichen zudem die Abgrenzung von anderen Menschen. Kann der Konflikt hingegen nicht durch bedürfnisorientierte Kommunikation gelöst werden und/oder reagiert nicht eine der beiden Parteien mit Rückzug, bleibt nur noch der
Angriff
um die gefühlte Bedrohung abzuwehren. Dieser kann sowohl bewusst als auch unbewusst und sowohl verbal- als auch non verbal erfolgen und wird meist mit einem
Gegenangriff
beantwortet. Durch das
Wechselspiel aus Angriff und Verteidigung
werden weitere Bedürfnisse frustriert. Die eigentliche Konfliktursache und dessen Sachinhalt geraten zunehmen in den Hintergrund, während der Kampf an sich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Verlauf kommt es zu
widerholten Verletzungen, die die Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes
kränken
können.
Der Konflikt droht
nun
zu eskalieren.Konflikteskalation:Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat den Verlauf von Konflikten in neun Stufen unterteilt, die sich wiederum zu drei unterschiedlichen Ebenen zusammenfassen lassen. Im Laufe dieser Stufen entwickelt der Konflikt eine zunehmende Eigendynamik, da zu der eigentlichen Konfliktursache immer mehr Faktoren hinzu kommen.
Ebene 1: Win-Win
In dieser Phase findet noch ein mehr oder weniger konstruktiver Austausch statt. Die Diskussion wird vornehmlich auf der Sachebene geführt. Schaffen es die Parteien den Konflikt in dieser Phase zu klären, kann der Konflikt für beide Seiten bereichernd sein. Häufig ist hierfür ein gut geführtes Gespräch ausreichend.
Stufe 1 - Verhärtung:Hier sind erste Spannungen spürbar und die Fronten beginnen sich zu verhärten. Diese Stufe ist alltäglich und noch nicht problematisch.
Stufe 2 – Polarisation und Debatte:In dieser Stufe beginnt jeder auf seinem Standpunkt zu beharren. Die Kommunikation wird zunehmend kompromissloser und rauer.
Stufe 3 – Taten statt Worte:Die Bereitschaft den Konflikt durch Worte zu lösen sinkt – zumindest auf einer Seite - immer weiter. Stattdessen wird versucht den eigenen Standpunkt durch Handlungen durchzusetzen. Diese Stufe steht ganz unter dem Motto- mit dem kann man eh nicht reden!
Eben 2: Win-LoseAuf dieser Ebene verlieren die Parteien den Glauben daran, dass eine gute Lösung für beide Seiten gefunden werden kann. Statt um den beidseitigen Gewinn kämpfen nur beide Seite um den einseitigen Sieg. Spätestens ab dieser Ebene ist das hinzuziehen eines neutralen Dritten sinnvoll.
Stufe 4 – Image und Koalition:In dieser Stufe gerät der eigentliche Konfliktpunkt immer mehr in den Hintergrund. Es geht jetzt vornehmlich darum, nicht als Verlierer aus dem Konflikt hervor zu gehen. Zu diesem Zweck werden Koalitionen gebildet und die Parteien suchen nach Verbündeten.
Stufe 5 – Gesichtsverlust:Die Angriffe werden unmoralisch und es kommt zu Schlägen unter die Gürtellinie. Es geht jetzt vornehmlich darum den Gegner bloß zu stellen, sodass er in der Öffentlichkeit sein Gesicht verliert. Die Gegenpartei holt dann in der Regel zum Rückschlag aus, sodass der Konflikt zu eskalieren beginnt und die Parteien die Achtung vor der anderen Seite verlieren.
Stufe 6 – Drohstrategien:Die Parteien haben das Gefühl langsam die Kontrolle zu verlieren. Die Angst vor Bloßstellung und Niederlage wächst stetig. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ werden Drohungen ausgesprochen, die dann wiederum in Gegendrohungen münden. Unter Androhung von Strafe kommt es zu einem Machtkampf.
Ebene 3: Lose-LoseAuf dieser Stufe wird der Gegner nicht mehr als Mensch sondern nur noch als Kontrahent wahrgenommen. Als Sieger gilt nicht mehr der, der etwas gewinnt, sondern die Partei, die am wenigsten verliert oder der anderen am meisten schadet. Zu diesem Zweck werden nun auch eigene Verluste in Kauf genommen. Spätestens an diesem Punkt ist eine eigenständige Konfliktlösung in den meisten Fällen nicht mehr möglich und das hinzuziehen eines Mediators oder einer Mediatorin aus eigenem Interesse sinnvoll.
Stufe 7 – Begrenzte Vernichtungsschläge:Die Drohungen werden in die Tat umgesetzt und eigene Verluste in Kauf genommen, wenn der anderen Konfliktpartei dadurch ein größerer Schaden entsteht. Der Gegner wird nicht mehr als Mensch sondern nur noch als Kontrahent wahrgenommen.
Stufe 8 – Zersplitterung:Die Zerstörung der Existenzgrundlagen des Gegners ist oberstes Ziel dieser Stufe. Noch versuchen die Parteien aber die eigenen Schäden dabei möglichst gering zu halten.
Stufe 9 – Gemeinsam in den Abgrund:Es kommt zur totalen Konfrontation der beiden Parteien. Um den Gegner zu vernichten wird nun auch die Selbstvernichtung in Kauf genommen, sodass am Ende im schlimmsten Fall beide Parteien massive Verluste erleiden.
Fazit:Ursächlich
für die Entstehung von Konflikten sind immer frustrierte Bedürfnisse, die allerdings nur dann zu einer Eskalation führen können, wenn die Frustration ein Gefühl der Bedrohung
auslöst, was mit der anderen Partei in Verbindung gebracht
wird. In der Aufrechterhaltung des Konfliktes spielt die verbale- und non verbale Kommunikation
eine wichtige Rolle. Dabei wissen die wenigsten Menschen, dass neben direkten
oder indirekten Vorwürfen
auch andere unfaire Kommunikationsmittel
existieren, die bei dem Anderen eine mehr oder weniger bewusste Gegenwehr provozieren. Hierzu zählen zum Beispiel Solidarisierungen
(Tante Erna sagt auch, dass du …) oder Verallgemeinerungen
(MAN muss/soll…; Immer oder Nie machst/sagst du…). Konfliktanlässe
wie scheinbar unvereinbare Interessen, Wahrnehmungen, Bewertungen, Normen, Werte, Glaubens- oder Rollenvorstellungen, Missverständnisse
und begrenzte Ressourcen
sowie der Konfliktinhalt
stellen hingegen nur die sichtbare Oberfläche des Konflikts dar.